Anforderungen an die Melkanlage nach der neuen DIN ISO 5707 Mathias Harsch, LVVG Aulendorf Milchmenge und Milchqualität werden unmittelbar beim eigentlichen Melkvorgang durch die Melkarbeit und die Melktechnik beeinflusst. Deshalb ist grössten Wert auf eine gut funktionierende und optimal dimensionierte Melkanlage zu legen. Die neuen DIN ISO- Normen wurden im Sommer 1998 veröffentlicht und werden jetzt, nach einer gewissen Übergangszeit, von allen namhaften Herstellern melktechnischer Einrichtungen angewendet. Die Anforderungen sind gegenüber den alten Normen erheblich erhöht worden. Im folgenden wird daher beschrieben, welche Anforderungen an die einzelnen Anlagenbauteile zu stellen sind, damit Kühe schnell, schonend und vollständig gemolken werden können. Vakuumpumpe Die Vakuumpumpe dient der Erzeugung des für die Melkarbeit notwendigen Vakuums, das auch unter Belastung, d.h. bei arbeitenden Melkzeugen stabil bleiben muss. Voraussetzung für ein konstantes Melkvakuum ist eine ausreichende Pumpenleistung (siehe Tabelle 1 A und 1 B) und eine bedarfsgerechte Luftdurchflussreserve. Die Leistung der Vakuumpumpe ist von Fachleuten regelmässig zu überprüfen, da unsachgemässe Wartung (z.B. mangelnde Ölzufuhr bei einer Rotationsvakuumpumpe oder fehlende Entkalkung bei der Wasserringpumpe), oder Abnutzungserscheinungen die Leistung erheblich mindern. Luftleitungen Um einen ungehinderten Luftdurchfluss durch die Luftleitungen (Hauptluftleitung / Pulsatorleitung) zu gewährleisten, müssen diese an der engsten Stelle einen zur Vakuumpumpenleistung passenden Innendurchmesser aufweisen. Desweiteren muss die Leitungslänge, das Leitungsmaterial (PVC- oder verzinkte = "rauhe" Leitungen) sowie die Anzahl an Bögen, Ecken, Winkelstücken oder sonstiger Armaturen bei der Wahl des passenden Innendurchmessers von Luftleitungen berücksichtigt werden (s. Tabelle 4 - 6). Melkleitung Die Melkleitung hat die zweifache Aufgabe, das Melkvakuum bereit zu halten und die ermolkene Milch schonend zum Milchabscheider zu transportieren. Sie muss so ausgelegt und installiert werden, dass eine "Milchpfropfenbildung" so gut wie ausgeschlossen ist. Im Idealfall sollte ein "Schichtenfluss" vorliegen, d.h. die Milch fließt aus eigener Kraft im unteren Drittel des Durchmessers der Melkleitung ab und das obere Drittel steht für das weitaus grössere Luftvolumen zur Verfügung. Ist solch ein "Schichtenfluss" nicht gewährleistet, kommt es zu Vakuumschwankungen in der Melkleitung mit all seinen bekannten Auswirkungen (längere Melkdauer, Gewebeschädigungen, Milchrückfluss, hoher Anteil freier Fettsäuren, etc.). Die Melkleitung muss so geplant werden, dass für mindestens 95% der Melkzeit einer Herde das Melkvakuum um nicht mehr als 2 kPa schwankt. Der tatsächliche Innendurchmesser einer Melkleitung wird durch folgende Faktoren bestimmt: - Milchmenge in der Melkleitung - Gefälle der Melkleitung - Lufteintritt: - Leitungsbauart - Länge der Melkleitung. In den Tabellen 7 - 10 werden einige Betriebsbeispiele, mit unterschiedlichen Auslegungskriterien für die Auswahl des passenden Rohrdurchmessers aufgezeigt. Pulsation Der Pulsator unterbricht das ständige Melken indem er in der Entlastungsphase Aussenluft in den Melkbecherzwischenraum einlässt (Ausnahme: System Happel S90). Heute werden überwiegend Pulsatoren mit 60 - 70% Saug- und 30 - 40% Enlastungsphase eingesetzt. Entscheidend für eine optimale Melkarbeit ist die Kombination von Pulsfrequenz und Pulsverhältnis, d.h. die absolute Dauer der Saug- und Entlastungsphase. Die DIN ISO 5707 verlangt, dass die Pulszahl um nicht mehr als +/- 3 Zyklen und die Saugphase im Bereich von +/- 5 Prozentpunkten von den vom Hersteller angegebenen Werten abweichen. Weiter müssen die Saugphasen aller Pulsatoren einer Anlage in einem Rahmen von 5 Prozentpunkten liegen. In der neuen DIN Norm wird außerdem festgelegt, dass die Pulsphase "b" mindestens 30% des Pulszyklusses betragen muss und die Pulsphase "d" nicht kleiner als 15%, bzw. 0,15 sec sein darf. Zusätzlich darf der "Hinkgrad" 5% nicht übersteigen. Details: Berechnungen nach DIN-ISO 5707.doc externe Links Checkliste Melkanlage (André Nolden , Landeskontrollverband Rheinland-Pfalz e.V.) Melkanlage nach der neuen DIN ISO 5707 (Mathias Harsch, LVVG Aulendorf) Suchwörter www.vacuum-guide.com |